Spielbericht Verbandsliga Runde 5: Güstrow/Teterow – Schachfreunde Schwerin II

von Ralph am 20. Januar 2020

Am Sonntag (19.1.) kam es zum Spitzenkampf in der Verbandsliga unserer zweiten Mannschaft gegen die Mannschaft aus Güstrow/Teterow. Gespielt wurde im Kulturhaus in Teterow, die Anreise dorthin war unproblematisch, der bisher ausgebliebene Winter hat auch seine Vorteile.

Beide Mannschaften waren ungefähr ausgeglichen besetzt, an den Brettern sechs und acht hatte Schwerin leichte Vorteile. An Brett 2 und 3 kamen diesmal wieder Arvid und Willi zum Einsatz, die sonst auch in unserer 1. Mannschaft spielen. Dafür fehlte Wolfgang als Spitzenbrett.

Die ersten drei Remisen gab es nach kurzer Zeit, an Brett 2 – 4 wurde nach jeweils knapp 12 bis 17 Zügen die Friedenspfeife geraucht. An Brett 8 versuchte Peter nach Damentausch, noch irgendetwas aus seiner Stellung mit Schwarz bei verbliebenem gegnerischen König in der Mitte herauszuholen, aber auch hier war wenig später mit einem Remis dann Schluss.

An den anderen vier Brettern (1, 5, 6 und 7) waren längere Kämpfe abzusehen, mit teilweise zweischneidigen Stellungen.

Christoph mit Weiß an Brett 1 spielte solide einen Maróczy-Aufbau im Sizi und am Zeitverbrauch seines Gegners war abzusehen, dass dieser sich nicht wohlfühlte in der Stellung. Schwarz hatte zwar alle Figuren entwickelt, aber vermutlich nicht auf den optimalen Feldern. Nach 19. Df2 (siehe Diagramm 1) fällt bereits der Bauer auf b6 und nach technischer Verwertung brachte uns Christoph damit 1:0 in Führung.

Diagramm 1 (Hornych – Seiler)

 

 

 

An den anderen Brettern sah es allerdings nicht so gut für uns aus, Sven hatte nach einem Doppelbauern (siehe Diagramm 2) eine schlechte Struktur am Königsflügel, verteidigte die Stellung noch lange bis ins Turmendspiel, musste sich aber letztlich in sein Schicksal fügen und dem Gegner die Hand reichen.

Diagramm 2 (Helms – Kiel)

 

Ralph kam diesmal (im Gegensatz zur letzten Partie zwischen uns vor 2 Jahren) gegen Holger Dettmann gut aus der Eröffnung und es entspann sich ein scharfer Kampf mit unterschiedlichen Rochaden auf beiden Flügeln. In der Diagrammstellung 3 zog Schwarz 21. Dh2 und in der Analyse kamen wir zu dem Schluss, dass Weiß in jedem Fall schneller im Königsangriff ist. Hier bereute ich schon, das Remis Angebot drei Züge vorher ausgeschlagen zu haben. Dabei ist es Schwarz, der in der Stellung tatsächlich deutlich besser steht. Schwarz spielte 21. … Da5?? und nach 22. Kb1 gewann Weiß im Königsangriff sieben Züge später. Nach 21. …cxb2+ 22. Kb1 Sb6! mit der Idee Sa4 und dann Sc3+ oder erst Da5 und dann Sc3 + ist es jedoch Schwarz, der zuerst den König zur Strecke bringt. Die Engine sieht Schwarz auch deutlich in der Vorhand.

Diagramm 3 (Dettmann, H. – Wagner)

 

Die letzte (und entscheidende Partei über Sieg Güstrow oder Unentschieden) spielte Bernd an Brett 5. Nachdem Bernd ausgangs der Eröffnung in eine schlechte Lage geraten war und gefühlt bis zum 30. Zug mehr (!) oder weniger schlechter stand, entschloss sich Bernd im 33. Zug zu 33. Txg6 (siehe Diagramm 4). Obwohl Weiß objektiv bereits wieder gleich stand, entschloss sich Bernd angesichts des Matchstandes, mit diesem Qualle-Opfer die Partie aus der Balance zu bringen und Gewinnchancen zu generieren. Der Nachteil war, dass Weiß hiernach erst einmal knapp am Rande des Verlustes stand.

Digramm 4 (Wandel – Gebert-Vangeel)

Ein Paar Züge weiter sah die Stellung dann so aus (Diagramm 5), Weiß steht jetzt einfach schlecht, aber der freie König bereitet Schwarz noch Kopfzerbrechen.

Diagramm 5 (Wandel – Gebert-Vangeel)

Später dann der entscheidende Fehler von Schwarz: Schwarz zieht in dieser Stellung Dxf4 (Diagramm 6), wonach die Partie wieder ausgeglichen ist und ein paar Züge später gewann Bernd mit Weiß sogar. Anstatt 45. … Dxf4 gewinnt einfach 45. …Tc6. Es droht Lxb3 oder Dc7 und Schwarz gewinnt, und nach 46. Dx7 Lxf7 holt Schwarz sich einfach die weissen Bauern e5, h5 und ggf. e3 ab.

Diagramm 6 (Wandel – Gebert-Vangeel)

 

Alles in allem ein glückliches Unentschieden für uns und die Tabellenspitze damit behauptet.

Sven Januar 21, 2020 um 13:58 Uhr

Aus Sicht des Mannschaftsleiters kurze Anmerkungen: Mit Christoph in einer Mannschaft zu spielen ist ein echtes Vergnügen. Einfache, konzentrierte Partien, immer der Versuch zu gewinnen- das macht beim Zuschauen und beim Nachspielen immer wieder Spaß! Ansonsten waren die Chancen durchaus verteilt, zu meiner eigenen Partie: Arvid meinte schon auf der Rückfahrt, dass ich nicht gut stand. Ich wollte es ihm nicht glauben, aber in der Tat stehe ich schon aus der Eröffnung „merkwürdig“… 😮 Beim Nachspielen sah der Rechner immer Schwarz leicht/ deutlich im Vorteil, im Diagramm von Ralph stehe ich denn nach 18 Zügen auf Verlust, kam aber Dank der Hilfe des Gegners wieder in die Partie zurück. Aber dann war ein Bauer weg, bald ein zweiter und nach überstandener beiderseitiger Zeitnot blieb eine Ruine übrig, die , wäre es kein Mannschaftskampf gewesen, auch gleich die Aufgabe verdient hätte. Am Ende aus Sicht der Mannschaft: Es ist nochmal gut gegangen!
(Mund abwischen, weitermachen!)

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